Ich habe heute Nacht wach gelegen und ernsthaft darüber
nachgedacht, diesen Blog aufzugeben.
Wie es dazu kam?
Gestern Abend saß ich betrunken und am Heulen in der
WG-Küche, weil ich meine Steuernummer nirgends finden konnte und mir ausmalte 2
Monate ohne Gehalt über die Runden kommen zu müssen, außerdem hatte Lola mich
vorher grantig angeranzt, ich würde nix in der WG sauber machen, achja und ein
Typ hatte mich zum wiederholsten Male verletzt.
„Was ist denn los, Anna?“ fragte Lola irgendwann genervt.
„Hach, irgendwie ist
gerade alles kacke und ich hab Angst vor der Arbeit morgen, ich kann nix und
alle hassen mich bestimmt, weil ich nix kann. Alle meine Freunde haben ne
Beziehung, sind verlobt oder heiraten bald, nur ich krich nie was geschissen!
Bald bin ich bestimmt unfruchtbar und verbraucht.“
„Man Anna du
provozierst das aber auch alles ein bisschen selber, weil du dich andauernd
kleiner machst, als du bist!“
Darüber grübelte ich die Nacht nach.
Es stimmt.
Dieser ganze
Blog handelt doch überwiegend davon, wie ich mich über mich selber lustig mache. Jede
liebenswerte Macke oder kleine Niederlage wird ausgeschlachtet und aufgebauscht.
Wenn sich mal wieder eine Sache mit einem dahergelaufenen Typen anbahnt,
prophezeie ich vorher schon:
Haha ich werde das wieder so was von verkacken!
Wie immer!!
Warum macht man das? Einfach weil es angesagt ist. Niemand
will lesen, wie alles gelingt. Langweilig. Guckt doch mal in euer Twitter Time Line, wer
die meißten Likes absahnt.
Die Lästerbacken und Jammerer.
Manchmal schleicht
sich ein euphorischer Post hier ein und promt hat er kaum Kommentare, und wenn
dann nur halbherzige „Glückwunsch Babe“ –Wünsche.
Erfolg wird in dieser
Gesellschaft verbunden mit Arroganz. Das wird einem schon in der Schule
eingebläut. Wer Erfolg hat ist ein Strebernerd, wer gut aussieht eine schlampige Tussi
und wer reich ist ein verzogener Bonze.
Als ich das erkannt habe, fing ich an
meine guten Noten runterzuspielen, meine Markenklamotten gegen Allerwelts-Kinderarbeits-Lumpen
von H&M einzutauschen und ließ meinen geschenkten Mini Cooper verkommen,
damit er nicht zu bonzig wirkt. Alles nur um irgendwie gemocht zu werden? Oder
um nicht aufzufallen? Ich weiß es nicht.
Fakt ist, wenn man sich die ganze Zeit nur über sich selbst
lustig macht, wird man irgendwann zur Witzfigur und glaubt selber, dass man
einfach nur noch zum Lachen ist.
Es wird Zeit, das zu Ändern. Denn das Gesetz der Anziehung
bringt einem immer wieder das, was man sich anscheinend wünscht. Wenn man davon
ausgeht, irgendwas wird nicht klappen, aber wenigstens war es dann lustig, dann
klappt es auch nicht und ist dann irgendwie doch gar nicht mehr so lustig,
sobald die letzten Lacher verhallt sind.
Und eigentlich hab ich doch im Moment ganz schön viel zu
Lachen. Ich hab das Studium geschafft, meinen Traumjob und meine Traumwohnung
bekommen, gute Freunde, die einem auch mal sagen: „Ich bin stolz auf dich!“
oder auch mal „Borr das war jetzt mal wieder richtig dumm Anna, hör auf dich
lächerlich zu machen.“ und keinen einengenden Typen an der Backe der einem
vorschreibt was man machen soll oder einen sonst irgendwie runterzieht.
Versteht mich nicht falsch: Ich sage nicht, dass man ein Angeber sein soll, der zum Lachen in den Keller geht. Selbstironie ist auch Ausdruck von einer gewissen Intelligenz. Man sollte darüber nur nicht vergessen, dass nicht alles an einem lächerlich ist. Vielleicht versteckt sich hinter dem Ironiker auch nur ein krasser Pessimist?
Der
Fokus muss wieder mehr aufs Positive gelenkt werden. Ob das mit diesem Blog
noch geht weiß ich nicht. Vielleicht bin ich auch mittlerweile zu alt dafür
geworden.
Achja: Meine Kollegen haben mir heute gesagt, wie ich an die
Steuernummer komme, die Arbeit hat Spaß gemacht und ich war danach noch mit 2
Kolleginnen Kaffee trinken. Also keiner hasst mich. Nachdem ich meinen Abwasch
gemacht habe, war Lola nicht mehr sauer auf mich und hat meinen Kopf
getätschelt. Und dieser Typ? Ach da kommt schon wieder der Nächste irgendwann.