Hat es sich gelohnt? Würde ich es wieder machen? Vom
theoretischen Wissen, was ich mir angeeignet habe: Auf jeden! Hier wird man
behandelt wie ein frischer Assistenzarzt in Deutschland und wird nicht als
Blutabnehm- und Hakenhaltersklave missbraucht. Dafür hat man aber kaum
Freizeit, malocht jeden Tag bis zu 12 Stunden und ich erinner mich noch mit
Grauen an den nächtlichen Rufdienst bei meiner Gyn-Stelle… Und reich wird man hier
wider Erwarten auch nicht. Vielleicht an Erfahrungen. Höhö.
So auf jeden Fall war gestern mein letzter Arbeitstag und ich bin schon voll am Planen wies weiter
geht. Eigentlich war der Ploan: Bei meinen Eltern 3 Monate bis zum Examen
einchecken, Essen für lau einsacken, Luxus der Putzfrau genießen, Fitnessstudio
als Ausgleich um den Käsebauch wieder loszuwerden und ab und an mal zu Lola
fahren zum Kopf frei kriegen. 100 Tage am Stück lernen ist ja utopisch. So
einen Quatsch fang ich gar nicht erst an.
Da bekomm ich doch heute das Angebot von Lolas Mitbewohner
Buzzer rein, sein Zimmer zur Zwischenmiete zu nehmen für die Zeit. Wie geil
wäre es!! Aber zwei Buden parallel zu bezahlen, ohne PJ Gehalt kann ich mir eh abschminken.
Und ob man da seine Nikotinkarrenz einhalten (aktuell 7 Tage ohne, Leude!!)
kann in dem Kettenrauchladen, ist auch die Frage. Vom Lernen mal ganz abgesehen.
Kommt Zeit kommt Rat, jetzt erstmal noch
das letzte Wochenende genießen, da wird noch mal ordentlich gefeiert und der
letzte gute Ruf vollends versaut.
„Werd dich ja schon ziemlich vermissen Anna“;
lachte mein Lieblings-Assi Ali diese Woche zu mir, als wir mal wieder
schenkelklopfend über irgendne versaute Situationskomik lachten. „Jo ich kann
mich hier ja mal bewerben, vielleicht hab ich ja Glück!“ „Muhahahaha Anna!! Der
war gut!!“ Wieso ist das eigentlich so abwegig? Okay am Mittwoch sind wir extra
wegen meines Abschiedes Essen gegangen, wobei der Chef mal wieder seine
Abneigung mir gegenüber feierlich zum Ausdruck brachte, indem er erst auf mich
zulief, begriff, dass er dann ja den ganzen Abend neben mir sitzen müsste,
umdrehte und sich mit angewidertem Gesicht ans andere Ende des Tisches
verpisste. Ich verstehe echt nicht wieso, habe schon unauffällig an mir
gerochen, konnte aber nix Anekelndes feststellen. Naja man kann ja nicht von
jedem gemocht werden,ne?
Diese Woche forderte Ali mich allen Ernstes auf: „Anna, geh doch mal zu Schwester soundso, die
zeigt dir mal wie man eine Lungenfunktionsprüfung mit dem neuen Spirometer macht
und dann kannst du das diese Woche bei allen Patienten machen!“ Ich antwortete
mit meinem Lieblingssatz dieser Woche „Meinst du das lohnt noch, wenn ich mir
dieses Expertenwissen jetzt noch aneigne? Du weiß doch: ich bin nur noch 5 Tage
da…“ dabei zog ich einen Mundwinkel dramatisch nach oben. „Du gehst jetzt
sofort nach oben!!“ „Na gut.“ Versuch wars wert. Ich habe nämlich begonnen
nebenbei den 100 Tage Lernplan anzufangen und bewege mich nur im äußersten
Notfall (Mittagessen) von meinem Schreibtisch. „Willst du beim Sono zulurgen?“ „Ehlich
gesagt: Nein.“
Gestern wollte ich dann den üblichen Polnischen machen, als
die Anderen mich darauf hinwiesen: „Du musst noch zum Chef ins Büro. Der macht
immer noch ein Abschlussgespräch mit den Uhus, wo der einem die Stärken und
Schwächen aufzeigt. Du musst da hin!!“ Oh nee gar kein Bock. Also schlurfte ich
ins Büro und stellte mich schon auf das unter die Nase reiben meiner
Desinteresse und Faulheit ein. „Ach Frau Fähre. Dann mal Aufwiederlurgen! Adeee.“
Und förmlicher Handschlag. Ich glaub das sagt alles.
So ja sieben Monate. Krass. Glaub ich hab mich verändert. Also
körperlich auf jeden Fall. Tippe auf 10kg plus. Schreiben fällt mir auch
schwerer als sonst, wie ihr bestimmt schon gemerkt habt. Große Liebe hab ich
auch nicht gefunden, aber Moment!! Heute ist schließlich auch noch ein Abend,
und der wird noch mal gebührend begossen, denn Assi Ingo feiert heute seinen 30.
Geburi auf ner gemieteten Almhütte. Perfekt! Das spart mir die Kohle für ne
eigene Abschiedsparty. Hach war schon schön hier, aber jetzt freue ich mich auf
die Jauste in der Heimat. Lades.

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Na was sachste dazu, Babe?